Pressespiegel 2001
Der Nord-Berliner, 21. November 2001
Elektroschrott in guten Händen
Recyclingprojekt arbeitet seit fünf Jahren mit psychisch Kranken in Reinickendorf. Seit fünf Jahren wächst und gedeiht ein Projekt auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses in der Teichstraße 65, das Elektroschrott-Recyclingprojekt des Vereins Steg. „Wir sind inzwischen schon dreimal als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert worden“, informiert der Technische Leiter des Steg-Projektes, Christian Sons. Das Gütesiegel beschert dem Projekt auch immer mehr neue Partner. Was im Projekt passiert, lässt sich recht leicht erklären: Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen, Büros und auch Privathaushalte lassen ihren Elektroschrott von Projektmitarbeitern abholen. Die Mitarbeiter von Steg zerlegen die Geräte dann ihre Bestandteile und sortieren sie in15 verschiedene Fraktionen. Der Umwelt zuliebe „Für einige Teile des Elektroschrotts bekommen wir dann Erlöse beim Verkauf, für andere müssen wir zuzahlen, damit sie uns abgenommen werden“, erklärt Sons. Damit sich die Sache rechnet, müssen die Partner, von denen der Schrott abgeholt wird, entsprechende Entsorgungsgebühren bezahlen. Dafür bekommen sie bestätigt, dass ihr Schrott umweltgerecht entsorgt wurde. Ungewöhnlich am Projekt ist, dass die Demontage der alten Fernseher, Computer, Kopierer, Waschmaschinen und Kühlschränke von Menschen vorgenommen wird, die sich in psychiatrischer Behandlung befanden. „Über die Arbeit bei uns bekommt ihr Leben wieder einen regelmäßigen Tagesablauf“, so Sons.
Flexible Arbeitszeit
Wer am Projekt teilnimmt, kommt freiwillig. Da die Leistungsfähigkeit der psychisch Kranken in Sachen Ausdauer häufig eingeschränkt ist, bestimmen sie selbst, wie lange sie arbeiten. Manche beginnen dann mit zwei bis drei Stunden pro Tag, andere schaffen täglich sechs oder acht Stunden. Zurzeit teilen sich 30 Projektteilnehmer in der Werkstatt zwanzig Demontage-Arbeitsplätze. Die Idee, solch einen Zweckbetriebs für psychisch Kranke einzurichten, hatte Hans-Ulrich Oehlke. Der Diplom-Pädagoge begann das Recycling-Projekt zunächst auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Als der Betrieb größer wurde, zog man in die Teichstraße um. BW
