Pressespiegel 2003
Publik-Forum Nr. 17-2003, Projekte und Modelle
Ein Steg für Menschen am Abgrund
So wie „Der Steg“ ein fester Weg über fremdem Element ist, so versteht sich auch der Berlin-Pankower Verein gleichen Namens: Er hat sich die Wiedereingliederung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher zur Aufgabe gemacht. Seelische Krisen treffen insbesondere junge Menschen schwer. Davon war die engagierte Liberale Aline Weiß überzeugt und gründete 1983 das Projekt. Heute verfügt der Verein, der fester Bestandteil der Psychiatrie- und Jugendhilfeplanung in Berlins Norden ist, über vier Wohneinrichtungen zu je sechs Plätzen. 18 ausgebildete Betreuer kümmern sich rund um die Uhr um die Jugendlichen. Die leiden häufig an Depressionen, Essstörungen, Psychosen und Borderline-Erkrankungen, bei denen es oft zu Selbstverletzungen kommt. Bei der Therapie „legen wir großes Wert darauf, die Eltern mit einzubeziehen“, sagt Ernst Keim, Geschäftsführer und selbst erfahrener Sozialpädagoge. „Wobei es fast nur Mütter gibt“ ergänzt er. Väter sind selten da. Wie es auch rund unter den 30 Mitgliedern des Vereins fast nur Frauen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren. Dabei treffen die seelischen Störungen Jungen wie Mädchen gleichermaßen. Die jungen Frauen wollen meist nicht mehr essen, die jungen Männer werden aggressiv, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Jugendliche die beim „Steg“ anklopfen, sind meist in der Pubertät. Ein Drittel schafft es, wieder gesund zu werden. Ein weiteres Drittel wird im Leben zukünftig immer wieder einmal Hilfe benötigen, und ein Drittel der Patienten findet keinen Ausweg aus der Störung mehr. „Wir sind ein Projekt zwischen Krankenhaus und Jugendhilfe“, erläutert der Chef. Stolz ist man beim Steg auf einen neu beschrittenen Weg: Die Recycling-Werkstatt. Seit 1997 werden in der alten Küche des einstigen Pankower Krankenhauses, in dem das Projekt seine Büros hat, alte elektronische Geräte und Bauteile in ihre wiederverwertbaren Bestandteile zerlegt. Hier finden 28 Menschen mit „etwas geknickten Karrieren“, so Sozialpädagoge Gottfried Günther, Arbeit. Der Betrieb ist ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb. Aus einem verstaubten Gettoblaster dröhnt Popmusik, ein Mann wickelt den Kupferdraht eines Motors auf. Langsam legt er Knäuel auf Knäuel in eine Wertstoffkiste, dazwischen guckt er immer wieder suchend in die Luft. Ein anderer kämpft mit einer verrosteten Stahlschraube. 70 Prozent des benötigten Kapitals verdient die Werkstatt selbst, den Rest schießt eine Stiftung zu. Ein gutes Beispiel, dass es möglich ist, soziale Projekte mit sinnvoller Beschäftigung und Marktwirtschaft zu kombinieren.
Adrienne Woltersdorf
Berliner Abendblatt, 29.10.2003
Helfen als ein neues Leitbild des 21. Jahrhunderts?
Mit einer Konferenz feierten der STEG-Verein sein 20-jähriges Bestehen.Reinickendorf. Mit einer Konferenz im Rathaus hat der „Verein zur Förderung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“ (DER STEG) am Freitag sein schon 20-jähriges Bestehen gefeiert. Auf der Tagung im Ernst-Reuter-Saal im Rathaus Reinickendorf sollten gemäß dem Motto „Helfen, wem hilft das?“ neben einer Würdigung der von den STEG-Aktivisten geleisteten Arbeit folgende Fragen beantwortet werden: Wie helfen Vereine? Wie helfen Stiftungen? Und: Was können Wirtschaftsunternehmen leisten? Die Veolia Stiftung und Siemens stellten ihre Initiativen vor, der Publizist Dr. Warnfried Dettling bildet mit seinem Vortrag „Helfen, ein neues Leitbild des 21. Jahrhunderts“ den Auftakt der Veranstaltung. Auf einem „Markt der Möglichkeiten“ ab 14.00 Uhr zeigten die Mitarbeiter des Vereins DER STEG, was für sie Helfen bedeutet. Etliche der einzelnen Vereinsprojekte stellten sich vor. Der Verein wurde 1983 von Aline Weiß gegründet, um in Norden Berlins ein Enthospitalisierungsprojekt für psychisch kranke junge Erwachsene einzurichten. Dazu eröffnete man ab 1985 mehrere therapeutische Wohngemeinschaften für junge Erwachsene. Heute sind die Probleme viel größer als vor 20 Jahren. Der Verein DER STEG kümmert sich zunehmend um Jobs für Behinderte. Seit 1999 wird zur Verselbstständigung pädagogisch-therapeutische Betreuung im Betreuten Einzelwohnen angeboten. Im letzten Jahrzehnt hat sich DER STEG neben dem Wohnen verstärkt um Arbeitsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen bemüht. Der Verein übernahm die Cafeteria der Karl Bonhoeffer Nervenklinik und gründete 1996 die Recyclingwerkstatt „DER STEG – Recycling.“ Ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb, in dem heute 48 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen arbeiten. Seit 1999 wurden berufsvorbereitende Lehrgänge (BBE) für junge Erwachsene mit psychischen Problemen angeboten. Doch die Sparmaßnahmen der Bundesanstalt für Arbeit stoppten das Angebot. Heute bietet DER STEG ambulante Hilfen zu Erziehung und Hilfen für geistig und körperlich behinderte Kinder im Rahmen der Sozialassistenz an. Insgesamt werden 120 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von den 63 fest angestellte Mitarbeitern des Vereis betreut. Der Verein ist fest eingebunden in die Psychiatrie- und Jugendhilfeplanung des Berliner Nordens und ist ein geschätzter Partner von Bezirksämtern, Kliniken und der Bundesanstalt für Arbeit und auch Partner für Handwerker, mittelständische Betriebe und die Industrie.
20 Jahre DER STEG
Am Anfang ging es darum, jungen Menschen, oft nach jahrelanger Klinikbehandlung, eine Möglichkeit zu geben, in eigener Wohnung in der Gemeinde leben zu können. Dabei sollte sie lernen, ihren Ort im Leben zu finden. Fragen nach Ausbildung, sexueller Orientierung, Beziehungen und Lebenszielen mussten geklärt und mit den Beeinträchtigungen der Krankheit in Einklang gebracht werden. „Heute stehen wir jedoch vor komplexeren” – Sozialraumorientierung und das Schaffen weiterer Arbeitsmöglichkeiten für Menschen mit Handicaps. Die Einbeziehung ehrenamtlichen Engagements, die Begleitung der kommunalen Politik und die der Wirtschaft soll weiter intensiviert werden. „Ein großes Anliegen des Vereins ist, die Zusammenarbeit und Vernetzung mit Partnern im Kiez voranzutreiben“, sagt die Vereinsvorsitzende Heidi Brill. Dem Anliegen verpflichtet, lautet das Motto des 20-jährigen Jubiläums des Vereins „Helfen, wem hilft das?“
Kra
Berliner Woche, 29.10.2003
Zurück ins eigene Leben
der Verein „Der Steg“ hilft seit 20 Jahren Menschen mit psychischen Problemen in Reinickendorf.
Daniela hat Salat gemacht und füllt den Teller von Delphine (beide19). „Ziemlich viel Knoblauch drin“, stellt sie sachlich fest und lässt sich die Mischung aus Grünzeug und Tomaten schmecken. Das könnte eine Alltagsszene in einer Familien- oder Wohngemeinschaft sein. Der Unterschied ist nur, dass die beiden jungen Frauen weder Geschwister sind, noch sich ihre WG selbst ausgesucht haben. Vielmehr gehören sie zu sechs Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die im Reinickendorfer Wohnprojekt von „DER STEG gGmbH“ unterbracht sind. Seit 20 Jahren kümmert sich der Verein um Menschen mit psychischen Problemen. Rund 120 werden derzeit von etwa 65 Mitarbeitern betreut. Partner der Einrichtung sind dabei unter anderem die Bundesanstalt für Arbeit, Industrie- und Handwerksbetriebe, Kliniken und auch die Jugendämter. Das Ziel ist, jungen Menschen, die unter Ängsten oder Phobien leiden, die verschlossen und in sich gekehrt sind, wieder eine „Brücke“ zum normalen Leben zu bauen. „Das passiert auf unterschiedlichen Wegen“, sagt Projekt- und Heimleiter Thomas Girnth. „Und fast jeder braucht eine ganz individuelle Ansprache, etwa bei Problemen in der Schule oder mit seiner Umwelt. Ganz wichtig ist allerdings, dass wir hier vor allem versuchen, die Eigenverantwortung zu steigern. Das beginnt bei so profanen Dingen wie Küchendienst oder Waschtag.“ Die Methode zeigt Wirkung. Zumindest deuten darauf die akkurat aufgeräumte Küche und die blank geputzte Wohnung hin. „Vielleicht sind wir in diesem Punkt etwas strenger als andere, sagt Erzieher Peter Konopnicki und schmunzelt. Regeln für das Leben. Und dass all diese Lebensregeln für die Bewohner keine Plage bedeutet, sondern, dass sie sich in diesem Umfeld ganz wohl fühlen – diesen Eindruck vermitteln Daniela und Delphine beim unangemeldeten Besuch. Die beiden machen sogar eher einen wacheren und interessierten Eindruck als viele Jugendliche in ihrem Alter. Konopnicki bestätigt das. „Aber das ist nicht immer die Regel. Und noch vor einem Jahr sah es auch bei den beiden noch ganz anders aus.“ Aber auch er ist stolz, wenn er wieder einmal einen Menschen in sein eigenes Leben entlassen kann. „Vielleicht in eine eigene Wohnung, manche auch wieder zurück zu ihren Eltern. „Da bekommen sie zwar noch weiter unsere Hilfe. Aber ein wichtiger Schritt ist dann gemacht.“ Diese Hilfe leistet „Der Steg“ inzwischen seit zwei Jahrzehnten.
tf
Berliner Abendblatt, Oktober 2003
Der Reinickendorfer Verein „DER STEG gGmbH“ feiert sein 20. Bestehen. „Helfen steht bei uns im Mittelpunkt“
Als die Reinickendorferin Aline Weiß im Oktober 1983 mit anderen engagierten Frauen den Verein „Der Steg“ zur Förderung von Menschen mit psychischen Behinderungen gründete, ahnte niemand, wie und ob er sich überhaupt im Bezirk etablieren würde. Doch der Verein, der Kinder, Jugendliche, junge Volljährige und Erwachsene mit psychischen Problemen bei der Rückkehr in ein normales Leben und bei der Bewältigung von Krisen unterstützt, ist heute eine wichtige Adresse im Berliner Norden.I nsgesamt 62 fest angestellte Mitarbeiter kümmern sich um die Belange von psychisch beeinträchtigten und behinderten Menschen. Im Oktober feiern alle Vereinsmitglieder und Mitarbeiter das 20-jährige Bestehen des Vereins.„Zur Zeit der Vereinsgründung wurde viel über Enthospitalisierungsmöglichkeiten von psychisch Kranken nachgedacht“, erklärt Juliane Succow, die seit viereinhalb Jahren beim Verein als Sozialtherapeuten in therapeutischen Wohngruppen für Jugendliche tätig ist, „und nach einer langen Vorlaufphase, in der Wohnungen angemietet, Mitarbeiter angestellt und Konzeptionen zur Finanzierung erarbeitet wurden, konnte im April 1985 die erste Wohngemeinschaft mit insgesamt vier Plätzen in Reinickendorf am Wilhelmsruher Damm eröffnet werden. “Weitere therapeutische Wohngemeinschaften und Wohnen für betreutes Einzelwohnen wurden geschaffen, und 1993 konnte die erste therapeutische Jugendwohngruppe, eine Spezialeinrichtung für Jugendliche mit Rund-um-die-Uhr-Betreuung, eröffnet werden: „Es gibt viele Mädchen und Jungen, die ihre Magersucht, Angst, Depressionen und Psychosen alleine nicht bewältigen können“, erklärt die Sozialtherapeuten, „aus diesem Grund werden sie aus den Familien oder der Psychiatrie herausgenommen und leben zu sechst in der therapeutischen Jugendwohngruppe, in der sie selbst aufräumen und kochen müssen, aber ein multiprofessionelles Team mit einem Pädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen und einem Heimleiter immer für sie da ist. Das Ziel in einer solchen Einrichtung ist die Selbstständigkeit.“ Mittlerweile befinden sich vier Jugendwohngruppen in den Bezirken Pankow, Reinickendorf und Neukölln. 1995 übernahmen psychisch Beeinträchtigte die Cafeteria und den Laden und den Laden der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik als Pächter, doch in Folge der Umstrukturierung der KboN musste dieses Beschäftigungsprojekt aufgegeben werden. Doch ein anderes Projekt sichert den psychisch beeinträchtigten Männern und Frauen seit 1996 regelmäßige Beschäftigung: Das Recycling-Projekt an der Teichstraße 65. Mit einigen wenigen Menschen begonnen, erhielt die Werkstatt 1999 die Anerkennung als „Zertifizierter Fachbetrieb.“ Heute haben insgesamt 48 psychisch Beeinträchtigte im Recycling-Projekt einen festen Arbeitsplatz gefunden. Ihre Aufgabe: Die Zerlegung von technischen Geräten und die Wertstofftrennung. „Helfen steht bei allem, was wie tun, im Mittelpunkt unserer Arbeit, und im Januar 2002 haben wir ein weiteres Projekt ins Leben gerufen“, erklärt Juliane Succow, „die Sozialassistenzen zur Begleitung und Förderung von geistig oder körperlich behinderten Kindern und ihren Familien.“ Ums Helfen dreht sich auch alles beim Festtag des 20-jährigen Bestehens, der am 24. Oktober unter dem Motto „Helfen wem hilft das?“ im Ernst-Reuter-Saal stattfinden wird.
fle
die tageszeitung (taz), 24.10.2003
Schrauben als Therapie
von Meike Röhrig
Seit 20 Jahren betreut der Verein „Der Steg“ psychisch kranke Jugendliche. In einer Werkstatt lernen sie Anforderungen des Joballtags kennen. Schon das morgendliche Hallo kann ein Fortschritt sein. „Kommt regelmäßig und mit steigender Frequenz zur Arbeit.“ Wenn Christian Sons das über einen seiner Mitarbeiter sagen kann, ist er hoch zufrieden. Pünktlichkeit und tägliches Erscheinen, an jedem normalen Arbeitsplatz eine Selbstverständlichkeit, sind für seine Klientel eine echte Leistung. Der Diplomingenieur leitet zusammen mit der Sozialpädagogin Carola Kalbitz eine Werkstatt für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Betreiber ist der gemeinnützige Verein „Der Steg“, der sich in Berlin um psychisch kranke junge Menschen kümmert – und in diesen Tagen sein 20. Jubiläum feiert. Von Suchtproblemen bis hin zu Depressionen kämpfen die Werkstattmitarbeiter mit allen Formen von psychischen Erkrankungen und schaffen es deshalb meist nicht, dem Leistungsdruck auf dem freien Arbeitsmarkt standzuhalten. „Anderseits sind sie aber zu viel mehr in der Lage als zu bloßer Arbeitstherapie“, sagt Sons. So entstand die Idee eines Recyclingbetriebes für Elektroschrott. Im weiß gekachelten Küchentrakt des ehemaligen Humboldtklinikums in Reinickendorf nehmen seit 1997 psychisch kranke Mitarbeiter alle Arten von Elektrogeräten auseinander. Ob Mikrowelle, Waschmaschine oder Laserdrucker, sogar Ölradiatoren werden hier fachgerecht zerlegt, sortiert und recycelt. Das Arbeitspensum ist dabei nebensächlich. „Es geht vor allem darum, die Leute zu stabilisieren, indem man wieder eine Struktur in ihren Alltag bringt“, erklärt Werkstattleiter Sons. Außerdem leiden viele unter Vereinsamung. Der regelmäßige Kontakt mit den Kollegen soll dem entgegenwirken und die Kommunikationsbereitschaft fördern. Schon ein morgendliches knappes Hallo, das Bedanken nach einer Handreichung, wertet Sons als Erfolg. 48 Menschen, vor allem junge Männer, teilen sich zur Zeit die 20 Arbeitsplätze. Manche kommen nur eine Stunde pro Tag, andere arbeiten ganztags – je nachdem, was ihr psychischer Zustand zulässt. Die Grundfertigkeiten können sie in zwei Wochen lernen. Voraussetzung ist der Wunsch der Klienten zur Mitarbeit sowie eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber Dreck und Lärm. Neben der Recyclingwerkstatt betreibt der Verein mehrere Projekte. „Der Steg“ wurde 1983 gegründet. Hintergrund war die Enthospitalisierung, also der Ansatz, psychisch Kranke nicht mehr in Kliniken wegzusperren. Schwerpunkt der Vereinsarbeit ist das betreute Wohnen. Vier therapeutische Wohngruppen für Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren und ebenso viele betreute WGs für junge Erwachsene bis 27 Jahren unterhält der Verein in Pankow, Reinickendorf und Neuköln. In diesen Wohngruppen leben drei bis sechs Jugendliche gemeinsam mit Erziehern und Therapeuten. Für psychisch beeinträchtigte Jugendliche, die allein oder bei ihren Eltern wohnen, bietet der Verein ambulante Erziehungshilfen und familientherapeutische Gespräche an. So genannte Sozialassistenzen unterstützen die Eltern bei der Pflege behinderter Kinder. Das Geld ist wie bei allen Sozialprojekten knapp: Gerade hat das Arbeitsamt einem Berufsvorbereitungslehrgang für psychisch kranke Jugendliche in der Recyclingwerkstatt die Unterstützung gestrichen – obwohl es den Sozialarbeitern gelungen war, 18 hoch problematische Jugendliche ein Jahr lang bei der Sache zu halten. Heute feiert der Verein ab 10 Uhr seinen Geburtstag in der Teichstraße 65 in Reinickendorf.Die „Steg“-Vorsitzende Heidi Bill will die Veranstaltung auch nutzen, um Sponsoren und potenzielle Kunden anzusprechen. Für die Recyclingwerkstatt verfolgen sie und die Werkstattleitung ein ehrgeiziges Ziel: Die wirtschaftliche Selbstständigkeit ohne Kofinanzierung. Dazu fehlen noch 93.000 Euro pro Jahr. Aber das Recycling sei eine expandierende Branche, gibt sich Werkstattleiter Sons optimistisch. „Außerdem haben wir uns in den letzten Jahren durch Qualität einen Namen geschaffen.“
Berliner „Steg“ wird 20 Jahre alt
Vor 20 Jahren wurde „DER STEG gGmbH“, Verein zur Förderung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, gegründet. Erstes Ziel war es, im Norden Berlins ein Enthospitalisierungsprojekt für psychisch kranke junge Erwachsene zu begründen. Dazu wurde im April 1985 die erste therapeutische Wohngemeinschaft mit vier Wohnplätzen für junge Erwachsene im Märkischen Viertel eröffnet. Bis 1986 folgten zwei weitere therapeutische Wohngemeinschaften. Im Januar 1993 eröffnete „Der Steg“ die erste therapeutische Jugendwohngruppen Berlins. Heute verfügt „Der Steg“ über vier therapeutische Jugendwohngruppen in denen jeweils sechs Bewohner im Alter von 12-21 Jahren leben. Sie werden in großzügigen Einfamilienhäusern von pädagogisch-therapeutischen Fachkräften rund um die Uhr betreut. Zur Verselbstständigung der jungen Erwachsenen aus den therapeutischen Jugendwohngruppen wird seit 1999 auch pädagogisch-therapeutische Betreuung im Betreuten Einzelwohnen angeboten. Im letzten Jahrzehnt hat sich „Der Steg“ neben dem Wohnen verstärkt um Arbeitsmöglichkeiten für psychisch kranke Menschen bemüht. Als Beschäftigungsangebot wurde 1995 die Cafeteria in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik übernommen. Ein Jahr später wurde die Recyclingwerkstatt „Der Steg – Recycling“ begründet, ein zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb, in dem heute 48 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen arbeiten. 1999 wird ein Lehrgang zur Verbesserung der beruflichen Bildungs- und Eingliederungschancen für junge Erwachsene mit psychischen Problemen durchgeführt. Außerdem bietet „Der Steg“ ambulante Hilfen und Hilfen für geistig und körperlich behinderte Kinder im Rahmen der Sozialassistenz an. Insgesamt werden 120 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von den 65 fest angestellten Mitarbeitern des Vereins betreut, der heute fest in die Psychiatrie- und Jugendhilfeplanung des Berliner Nordens eingebunden ist als Partner von Bezirksämtern, Kliniken, des Arbeitsamtes und auch als Partner der Industrie. Juliane Succow
