Pressespiegel 2006
Berliner Woche, 27.09.2006
Sinnvoll Schrott zerlegen – Zehn Jahre Recycling-Werkstatt des Vereins Steg
Reinickendorf Seit zehn Jahren ist die Recycling-Werkstatt des Vereins Steg auf dem ehemaligen Krankenhausgelände an der Teichstraße 65 ein wichtiger Ort für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen.
Mehrere 100 fanden hier eine sinnvolle Beschäftigung. Die Handgriffe sind routiniert.
Schnell hat der ältere Mann das Gehäuse des Druckers geöffnet.
Er trennt Metallteile von Plastik, achtet auf letzte Tintenpatronen.
“Es geht darum Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben”, sagt Christian Sons, technischer Leiter der Recycling-Werkstatt.
Wichtig sei den Klienten, wie hier die Mitarbeiter genannt werden, dass die Arbeit ein wichtiger Bestandteil des Alltags ist. “Sie wollen trotz Krankheit oder Behinderung etwas sinnvolles tun”, so Sons.
Insgesamt 35 Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es in der Werkstatt, in der technische Geräte zerlegt werden.
Die Arbeit selbst ist nach verschiedenen Schwierigkeitsgraden aufgeteilt.
“Grundsätzlich nehmen wir alles an, wo ein Kabel raushängt”, umschreibt Sons das Material, das er und seine Leute annehmen.
Zur Hälfte finanziert sich die Werkstatt aus Zuschüssen für die Beschäftigten.
Die andere Hälfte erwirtschaftet sie selbst.
Und diesen Bereich will der Steg noch weiter ausbauen.
So könnten gebrauchte Computer wieder verwendbar gemacht werden.
Bedarf für Altgeräte gibt es trotz ständiger Neuerungen auf dem Markt.
“Wenn eine Krankenschwester nur ein Gerät braucht, um Dienstpläne ihrer Abteilung zu schreiben, reicht auch ein funktionierendes altes Gerät”, sagt Sons.
Bisher ist es für Privatpersonen nicht attraktiv, Altgeräte in der Teichstraße abzugeben.
Im Gegensatz zur BSR muss Sons Geld verlangen.
Ein weiteres Standbein könnte ein Ebay- Kaufhaus werden.
Schließlich findet sich in dem zu recycelnden Material manches Technik- Schätzchen.
Zum Beispiel die alte DDR-Telefonzentrale aus den 70ern, die im Eingangsbereich des Steg steht.
Geöffnet ist die Recycling-Werkstatt des Vereins Steg, der auch Wohnungsauflösungen organisiert, werktags von 8 bis 15 Uhr.
Infos unter 49 89 39 27
Nord Berliner, 05.10.2006
Zehn Jahre Recyclingwerkstatt in Reinickendorf
Einen neuen Sinn im Leben mit nützlichem Schrott
Schrott – das ist Abfall, das ist unnütz, das wird weggeworfen und vergessen.
Doch dass Schrott mehr ist als Müll, sogar einen hohen Wert hat, beweist die Recycling-Werkstatt des Vereins “Steg”: Hier werden rund 250 Tonnen Schrott pro Jahr in seine Einzelteile zerlegt und dadurch sortenreine Rohstoffe gewonnen.
Dieses aufwendige Zerlegen und Sortieren wird von 35 psychisch beeinträchtigten Menschen durchgeführt, die in der Werkstatt eine Arbeitsstelle und somit einen neuen Lebensinhalt gefunden haben. Kürzlich feierte die Recycling-Werkstatt ihr zehnjähriges Bestehen.
“Wer keine Arbeit hat in unserer Gesellschaft, der ist nichts wert – sozialer Status und Selbstwert werden in unserer Gesellschaft in großem Maße über den Beruf definiert”, erklärt Dr. Herbert Orf, Vorstandsvorsitzender des Vereins.
“Wer Arbeit hat, hat eine Aufgabe, einen geregelten Tagesablauf, ist integriert und gehört dazu.
Das gilt nicht nur für gesunde, sondern ganz besonders auch für psychisch beeinträchtigte Menschen.
Doch diese finden aufgrund von Schwankungen in ihrer Leistungsfähigkeit kaum Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt.
Der Verein STEG gGmbH hat es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, entsprechende Beschäftigungsangebote eben für genau diese Menschen einzurichten, ihnen ein Stück Normalität und eine Aufgabe durch einen Job und somit ihrem Leben einen Wert, einen Sinn zu geben”.
1996 begann die Probephase der Recycling-Werkstatt auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, ein Jahr später fand der Umzug in die Teichstraße 65 statt.
Im Mai 1999 erhielt die Werkstatt die Anerkennung als zertifizierter Entsorgungsbetrieb, im Februar 2006 die Zulassung nach dem Bundesimmissionsgesetz (BIMSCH).
Heute sind insgesamt 35 Menschen in der Werkstatt beschäftigt. Der Umfang der Tätigkeit reicht je nach individueller Leistungsfähigkeit von einer bis 35 Stunden in der Woche. Zwischen 8 und 15.30 Uhr geht jeder Mitarbeiter seiner den eigenen angepassten Tätigkeit nach.
Dabei steht der tagesstrukturierende und rehabilitierende Aspekt von Arbeit sowie die Einbindung in soziale Zusammenhänge im Vordergrund.
“Die Bedeutung der Arbeit für psychisch Kranke ist sehr hoch”, sagt Christine Teller, Ärztin des Sozialpsychiatrischen Dienstes, “sie wollen dazugehören, etwa zum Bruttosozialprodukt zusteuern, nützlich und nicht nutzlos sein”.
In der Recyclingwerkstatt haben sie einen Ort gefunden, an dem das möglich ist.
Wurden psychisch kranke Menschen in den vergangenen Jahrzehnten systematisch aus dem Alltag und der Gesellschaft ausgegrenzt, gab es besonders im letzten Jahrzehnt ein Umdenken in Richtung Enthospitalisierung und Eingliederung ins “normale Leben”: “Menschen müssen aus einer Einrichtung heraus in eine ganz normale Wohnung, brauchen eine Lebensaufgabe und eine Arbeit als Tagesstruktur”, sagte Bezirksbürgermeisterin Marlies Wanjura, “und dies ist hier sehr gut gelungen”, fügte sie hinzu.Doch nicht nur das – gleichzeitig wird auch der Umweltschutz durch ein Recycling vor Ort gefördert: “Oft werden gefährliche Abfälle wie Öle oder Elektroschrott ins Ausland verbracht und dort nicht gewissenhaft und umweltfreundlich entsorgt”, erklärte Berent Wilkens von der Sonderabfallgesellschaft Berlin/Brandenburg, “die Abfälle sollen aber im Land bleiben, denn wo Abfälle entsorgt werden, entstehen auch Arbeitsplätze. Zudem werden sie hier gewissenhaft und umweltverträglich entsorgt und außerdem aus ihnen neue Rohstoffe gewonnen.
Dass natürlich auch Lärm beim Recyceln entsteht, ist klar.
Somit müssen Anwohner und Nachbarn rund um die Werkstatt einiges aushalten.
Doch auf der Feier zum zehnten Geburtstag äußerten sie sich dennoch überwiegend positiv.
Und der technische Leiter Christian Sons versprach, dass sich die Mitarbeiter nun noch mehr bemühen werden, Lärm zu vermeiden.
Artikel aus dem Paritätischen Rundbrief Ausgabe 10/2006
10 Jahre STEG-Recycling
Ökologischen Nutzen mit sozialem Gewinn zu verbinden, das ist seit zehn Jahren die Idee von Steg-Recycling.
1996 entwickelte der Verein “DER STEG gGmbH” neue Beschäftigungschancen für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung.
Ihre Leistungsfähigkeit unterliegt Schwankungen, deshalb ist es für diese Menschen schwer, auf dem freien Arbeitsmarkt Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden.
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens lud Steg-Recycling am 20. September die interessierte Öffentlichkeit ein, sich den Werkstattbetrieb anzusehen.
Bei einer Podiumsdiskussion ging es um das Thema “Nutzen und Bedeutung der Recyclingwerkstatt für den Bezirk Reinickendorf – Wege in die Professionalität im Spannungsfeld von Arbeitsangebot und Entsorgungsfachbetrieb”.
Bei Steg-Recycling finden Klienten/innen Arbeit in der fachgerechten Entsorgung von Elektronikaltgeräten. Das Unternehmen ist seit 1999 als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb anerkannt. Für die bis zu 35 Mitarbeiter/innen ist das Gefühl sehr wichtig, gebraucht zu werden und einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen. Es gibt ihnen Selbstbestätigung und stärkt ihre Leistungsfähigkeit. Am Arbeitsplatz können soziale Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden, er wird so zu einem “Steg” zur sozialen und beruflichen (Wieder-)Eingliederung. Die Arbeitszeit dauert, je nach Belastbarkeit, zwischen zwei und 30 Stunden in der Woche. Die Integration in den Arbeitsmarkt kann, muss aber nicht ein Ziel der Beschäftigung bei Steg-Recycling sein. Die manuelle Tiefenzerlegung elektrischer Geräte ist ein besonders umweltschonendes, aber auch arbeitsintensives Verfahren. Werkstattkunden können Einzelteile montags bis freitags abgeben. Größere Mengen werden auch mit einem LKW abgeholt. Darüber hinaus bietet Steg-Recycling Haushaltsauflösungen, Kellerentrümpelungen und Sperrmüllentsorgung zu marktüblichen Preisen an.
