Betreutes Wohnen für junge Erwachsene

Beim Betreuten Wohnen bieten wir jungen Erwachsenen mit psychischen Beeinträchtigungen Unterstützung in allen Lebenslagen – in der eigenen Wohnung, in einer WG oder bei der Familie lebend.

Ansprechpartner*innen

René Gast
Bereichsleitung BWJE
» rene.gast@dersteg.de
Tel (0)30 / 498 57 69 40
Fax (0)30 / 498 57 69 49

Laura Natz
Stellvertretende Bereichsleitung BWJE
» laura.natz@dersteg.de
Tel (0)30 / 498 57 69 40

 

Eigene Wege finden

Beim Betreuten Wohnen für junge Erwachsene unterstützen wir junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen dabei, den Alltag zu erlernen. Gemeinsam entdecken wir Ressourcen und vorhandene Fähigkeiten und arbeiten daran, diese zu aktivieren. Seite an Seite versuchen wir, Wege sichtbar zu machen und so den jungen Menschen bei seinem Bedürfnis nach einer eigenverantwortlichen Bewerkstelligung des Lebensalltags zu unterstützen.

Häufige Themen sind die Ablösung vom Elternhaus, die erste eigene Wohnung, die Entwicklung einer beruflichen oder schulischen Perspektive, die Kontaktaufnahme zu Gleichaltrigen, das Pflegen von Partner- und Freundschaften, sowie das Erlernen eines hilfreichen Umgangs mit der psychischen Beeinträchtigung. Mit der Bewältigung der Themen einhergehende Herausforderungen können Unsicherheiten – manchmal auch Ängste – auslösen. Dieses gilt insbesondere dann, wenn es keinen stabilen sozialen Bezugsrahmen gibt. Dabei können wir helfen.

Der Bereich BWJE beinhaltet zwei Möglichkeiten der Betreuung: Wir bieten in den Bezirken Pankow, Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg zum einen das Betreute Einzelwohnen (BEW) und zum anderen das Wohnen in Therapeutischen Wohngemeinschaften (TWG) für junge Menschen zwischen 18 bis 27 Jahren an.

 

Durch lebenspraktische Fertigkeiten den Alltag erlernen

Gemeinsam mit jeder*jedem Bewohner*in erstellen wir einen sogenannten Behandlungs-Rehabilitations-Plan, der sich auf vier thematische Säulen stützt:

  • Selbstversorgung und Wohnen
  • Freizeit- und Kontaktgestaltung
  • Entwicklung einer beruflichen oder schulischen Perspektive
  • Umgang mit der psychischen Erkrankung

Unser Anliegen ist es, Barrieren abzubauen und den jungen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, so dass sie ihr Leben möglichst selbstbestimmt und selbstständig führen können. Wir arbeiten engagiert, kreativ, fachlich fundiert, personenzentriert und lebensweltorientiert. Unser zentrales Arbeitsinstrument ist die Beziehung zu den Menschen.

Über Gespräche, Begleitung und praktische Anleitung arbeiten wir an Alltagsthemen wie der Haushaltsführung – mit Kochen, Putzen, Einkaufen – sowie dem Umgang mit Geld. Wir unterstützen beim Kontakt mit behördlichen Institutionen und bei der Wohnungssuche ebenso wie bei der Freizeitgestaltung und dem Etablieren einer sinnvollen Tagesstruktur. Beziehungen oder Partnerschaften aufbauen und halten, Konflikte austragen und aushalten, aber auch Regeln und Verabredungen einhalten können, sind Themen, an denen wir gemeinsam arbeiten. Wir entwickeln eine berufliche bzw. schulische Perspektive und erarbeiten individuelle Ziele. Durch die Stärkung persönlicher Ressourcen kann seelische Stabilität erlangt werden. Skillstraining, Psychoedukation sowie die Vermittlung von Techniken zum Spannungsabbau können beim Umgang mit der psychischen Erkrankung helfen. Wir unterstützen außerdem bei der Vermittlung von Therapeut*innen und Psychiater*innen. Hinzu kommt ein breites Angebot an verschiedenen Gruppen, an denen die Bewohner*innen des BWJE teilnehmen können. Hierzu gehören unter anderem eine Kochgruppe, eine Kulturgruppe, eine Männergruppe sowie eine Fitnessgruppe. Alle Betreuten können sich aus diesem Angebot das für sie Passende aussuchen.

Wir arbeiten außerdem mit bezirklichen Einrichtungen wie Kliniken, Sozialpsychiatrischen Diensten, Ergotherapie-Praxen und Tagesstätten ebenso wie mit Schulen, Arbeitsagenturen und Ausbildungseinrichtungen zusammen.

 

Therapeutische Wohngemeinschaften (TWG)

In unseren Therapeutischen Wohngemeinschaften leben zwischen zwei und fünf junge Frauen und Männer zusammen. Jede*r Bewohner*in hat ein eigenes Zimmer, Wohnzimmer, Küche und Badezimmer werden geteilt. Wöchentlich gibt es zwei verpflichtende Gruppentermine, zusätzlich können die Bewohner*innen an anderen Steg-Gruppenangeboten teilnehmen. Jede TWG hat zwei Betreuer*innen, die Betreuung findet von Montag bis Freitag am Vor- und Nachmittag statt – nicht jedoch abends, an Wochenenden und Feiertagen. In Krisenzeiten kann die Betreuungsintensität erhöht werden. „Therapeutisch“ bedeutet in der TWG Sozialtherapie und nicht Psychotherapie. Das heißt, wir bieten keine psychotherapeutischen Gespräche an, unterstützen bei Bedarf aber bei der Anbindung an ein solches Angebot. In Einzel- und Gruppengesprächen reflektieren wir mit den Bewohner*innen ihr Verhalten, ihre Situation sowie den eigenen Anteil daran. Der Wunsch, etwas verändern zu wollen und gemeinsam mit uns daran zu arbeiten, ist für eine erfolgreiche Therapie von großer Hilfe.

Wer hier wohnen möchte, kann vom Leben in der Gemeinschaft profitieren und lernt, wie sich gemeinschaftliches Leben organisieren lässt. Andersherum muss sie*er bereit sein, sich auf das Leben in dieser Gemeinschaft einzulassen und die TWG-Regeln einzuhalten. Für Betroffene, die eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung oder Betreuung in den Abendstunden benötigen, ist unser Angebot nicht geeignet.

 

Betreutes Einzelwohnen (BEW)

Betreutes Einzelwohnen im BWJE bedeutet, dass der junge Mensch in einer eigenen Wohnung, im elterlichen Wohnumfeld oder auch bei Freund*innen lebt und dort von unseren Mitarbeiter*innen betreut wird. Dabei kann die Wohnung von der*dem Betreuten gemietet sein oder der Steg stellt eine Wohnung zur Verfügung. Die Themen sind ganz ähnlich zu denen in den TWG: Wir unterstützen bei der Alltagsbewältigung und erarbeiten gemeinsam mit der*dem Bewohner*in persönliche Fertigkeiten und Alltagsstrukturen, die hierfür hilfreich sind. Die Betreuungszeiten sind im Rahmen des BEW flexibel gestaltbar und je nach Lebenskontext anpassbar. Ein wesentliches Ziel dieser Betreuungsart ist die Entwicklung einer vertrauensvollen Beziehung, die Raum schafft, um über Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen und zu Veränderung ermutigt. Die Betreuten des BEW haben außerdem die Möglichkeit, an den Steg-Gruppenangeboten teilzunehmen.

 

Skillstraining (SKT)

Das Skillstraining ist ein Baustein der Dialektisch-Behavioralen-Therapie (DBT) nach Marsha Linehan. Skills ist das englische Wort für Fertigkeiten. Jeder Mensch wendet im Alltag Fertigkeiten an, um mit bestimmten Situationen angemessen umgehen zu können. Das Skillstraining dient dazu, bereits vorhandene Fertigkeiten bewusst zu machen, damit diese auch in Krisensituationen angewendet werden können. Darüber hinaus werden neue Fertigkeiten erlernt, trainiert und automatisiert. So reduzieren sich jene Verhaltensweisen, die langfristig zu mehr Leid führen – zum Beispiel selbstschädigendes Verhalten, Suchtmittelkonsum oder starke Aggression. Das Skillstraining setzt sich aus den Modulen Achtsamkeit, Stresstoleranz, Umgang mit Gefühlen, zwischenmenschliche Fertigkeiten und Selbstwert zusammen.

Die wichtigste Voraussetzung für eine Teilnahme am Skillstraining ist die Entscheidung für eine aktive Veränderung. In einem Informationsgespräch mit den Trainer*innen werden vorab die Rahmenbedingungen besprochen. Kommt es zu einer Teilnahme, verpflichten sich die Teilnehmenden zur Einhaltung der Gruppenregeln, die in einem Behandlungsvertrag gemeinsam vereinbart werden und für Trainer*innen und Teilnehmende bindend sind.

 

Kontakt- und Kompetenzgruppe (KUK)

Die Kontakt- und Kompetenzgruppe (KuK) ist ein tagesstrukturierendes Angebot zum Erarbeiten von Bildungsinhalten sowie zum Erlernen von sozialen Kompetenzen. Sie bietet den Teilnehmenden Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten und setzt sich aus verbindlichen und freiwilligen Einzel- und Gruppenaktivitäten zusammen. In der Gruppe werden grundlegende Kulturtechniken wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Gespräche führen geübt und gefestigt. Beispiele für Gruppen- und Einzelangebote sind:

  • Orientierungsspaziergänge im Stadtteil
  • Englischgruppe
  • Besuch kultureller Angeboten für junge Erwachsene
  • Erarbeitung und Wiederholung von Bildungsinhalten
  • Bewerbungstraining am PC
  • Begleitung zu Terminen
  • Regelmäßige Auswertungs- und Verlaufsgespräche
  • Training sozialer Kompetenzen
  • Etablieren einer sinnvollen Tagesstruktur

 

Teams und Standorte

Im Bereich Betreutes Wohnen für junge Erwachsene mit psychischen Beeinträchtigungen unterhalten wir Büro- und Aufenthaltsräume in Pankow, Reinickendorf und Tempelhof-Schöneberg. Hier finden Einzel- und Gruppengespräche sowie die meisten der Freizeitangebote statt.

Betreut werden unsere Klient*innen durch ein qualifiziertes, multiprofessionelles Team. Bei uns arbeiten Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Therapeut*innen und Erzieher*innen. Durch regelmäßige Fortbildungen und fachliche Spezialisierungen kennen sich unsere Mitarbeiter*innen mit den Besonderheiten seelischer Notlagen und psychischer Belastungen von jungen Menschen sehr gut aus.

 

Voraussetzungen und Kostenübernahme

Unser Angebot richtet sich an Personen zwischen 18 und 27 Jahren in der Regel mit Wohnsitz in Pankow, Reinickendorf oder Tempelhof-Schöneberg, die wegen einer psychischen Erkrankung Unterstützung benötigen. Sollten Sie in einem anderen Berliner Bezirk wohnen, sprechen Sie uns dennoch an, wir unterstützen Sie gerne.

Die Kosten übernimmt das Teilhabeamt Soziales (ganz oder teilweise), wenn aufgrund der Einkommensverhältnisse die sozialrechtlichen Kriterien erfüllt sind. Zur Feststellung ist die Kontaktaufnahme zum Sozialpsychiatrischen Dienst notwendig. Rechtsgrundlage unserer Leistungen sind die Sozialgesetzbücher IX und XII. Bei Fragen rund um die Antragstellung sind wir Ihnen gerne behilflich.